Normen 2018: Chance für professionelle Landwirte

Am 31. August 2018 endet die Übergangsfrist für die neuen Regelungen (siehe Box unten) für die Haltung von Schweinen. Was sind die Auswirkungen für Schweineproduzenten?
Christoph Blaser, Granovit-Berater, Bereich Schweine: Indem pro Tier mehr Fläche bereitgestellt werden muss, können Landwirte auf dem bestehenden Platz mehr als ein Viertel weniger Tiere halten. Um die neuen Vorschriften bezüglich Perforationsanteil in den Buchten einzuhalten, sind häufig Umbaumassnahmen, sprich: Investitionen, nötig. Und: Der Aufwand, um die Buchten und Tiere sauber zu halten, steigt, da Kot bei geringerem Schlitzanteil schlechter abfliessen kann.

Was bedeutet das für Gebäude- und Produktionskosten?
Sie werden steigen. Aber wie stark, hängt auch davon ab, wie Produzenten auf die Änderungen reagieren.

Was ist zu tun?
Wer noch keine Massnahmen ergriffen hat, sollte sich zuallererst die Grundsatzfrage stellen, ob die Schweineproduktion für ihn sinnvoll ist. Bejaht er sie, ist es entscheidend, ein technisch gutes Konzept für den Stallneu- oder -umbau zu haben, welches unter anderem Antworten auf folgende Fragen gibt: Wo kann ich Fläche einsparen? Wo geht der Mist weg? Wie halte ich meine Schweine möglichst ohne Mehraufwand sauber? Insbesondere Umbauten sind eine Herausforderung. Man muss sich gut überlegen, wie man die Stallstrukturen optimal und möglichst kostengünstig anpasst. Die gute Nachricht ist: Es gibt praxiserprobte Ansätze, die sich auf den jeweiligen Betrieb anpassen lassen.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Eine geeignete Variante ist, den Stall so umzubauen, dass komplett schlitzfreie Liegeflächen mit einem Gefälle von zwei bis drei Prozent mit einem Dreikantstahlrost (siehe Bild oben) für das Wegführen des Kots kombiniert werden. Je nach Betrieb kann dabei ein grosser Teil der bestehenden Installationen angepasst und wieder verwendet werden.

Welche positiven Auswirkungen werden die Regelungen haben?
Sie werden zu einer noch stärker tierwohlorientierten Produktion führen. Das werden die Konsumenten begrüssen und davon profitiert die Branche insgesamt. Es dürfte eine Marktbereinigung geben, da manche die nötigen Investitionen nicht aufbringen wollen oder können. Dies wird zu einer stabileren Marktsituation führen und zu besseren Schlachtschweinepreisen. Generell werden jene Landwirte im Vorteil sein, die professionell arbeiten, das heisst mit effizienten Strukturen. Klar ist: Für sie ist der Wechsel auch eine Chance.

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Das sind die neuen Vorschriften

Durch die neuen Regelungen des Bundes müssen Schweinehalter pro Tier grössere Gesamtflächen bereitstellen, die je nach Tiergewicht variieren. Zum Beispiel beträgt diese Fläche für ein 110 kg wiegendes Mastschwein 0.9 m2 (zuvor 0.65 m2) und der Liegebereich muss eine zusammenhängende Fläche von mindestens 0.6 m2 umfassen. Für alle Tiergewichtsklassen beträgt im Liegebereich der zulässige Perforationsgrad des Bodens – also der Schlitzanteil – neu 5% für Ställe, die am 1. September 2008 bereits gebaut waren. Für später fertiggestellte Ställe sind 2% zulässig. Zum Vergleich: Bislang in der Schweiz eingesetzte Betonroste für Vollspaltenböden weisen in der Regel einen Perforationsanteil zwischen 13 und 15% auf. Bei der Verabschiedung der Vorschriften 2008 wurde den Landwirten eine Übergangsfrist bis 31. August 2018 eingeräumt. Am 1. September 2018 müssen alle Ställe die neuen Anforderungen erfüllen.

 

Christoph Blaser, Technischer Dienst Schweine
Helge Landberg, Redaktor