Tipps für eine gute Biosicherheit

Erfahren Sie mehr über Biosicherheit auf dem Hof und geben Sie Infektionserregern keine Chance.

Biosicherheit beschreibt die Umsetzung der Massnahmen, die das Risiko einer Einschleppung und Ausbreitung von Infektionserregern auf dem Betrieb verringern. Diese Massnahmen sollen den Gesundheitszustand der Tiere bewahren oder verbessern und folglich den Bedarf an Antibiotika verringern. Man unterscheidet zwischen externer und interner Biosicherheit.

Externe Biosicherheitsmassnahmen:

Krankheitserreger werden oftmals durch externe Einflüsse in den Betrieb eingeschleppt. Durch das Einhalten der unten aufgeführten Massnahmen kann das Risiko einer Einschleppung minimiert werden. Da die potenziellen Kontaminationsquellen sehr vielfältig sind, ist es wichtig, sie zu identifizieren, um geeignete Schutzmassnahmen zu treffen.

Quelle: biosecurite.ifip.asso.fr/documents/fiche_bio_N01.pd

Lebende Kontaminationsquellen

  • Kauf von Tieren aus einem anderen Betrieb (idealerweise zuerst im Quarantäneraum)
  • Transport von Schweinen zum Schlachthof, falls sich Schweine aus einem anderen Betrieb im LKW befinden
  • Personen, die den Betrieb betreten
    -  Hygieneraum mit drei Bereichen für Besucher und Mitarbeiter: einem schmutzigen Bereich (Outdoor-Kleidung), einem Waschbereich (Händedesinfektion, Dusche) und einem sauberen Bereich (Outdoor-Kleidung aus dem Schweinestall)
    -  Besuchsjournal zur Rückverfolgbarkeit im Falle einer Infektion
    -  Schilder "Zutritt nur in Anwesenheit des Betriebspersonals gestattet"

Weitere Kontaminationsquellen

  • Lastwagen und Transporte
    -  Waschen und Desinfektion des Fahrzeugs nach jedem Transport und kompletter Wechsel der Kleidung bei der Rückkehr
    -  Die Verladerampe für die Tiere ist eine Einbahnstrasse und der Arbeitsbereich des Fahrers darf den des Schweinehalters nicht kreuzen
    -  Bei der Lieferung von Futter und Einstreu darf der Fahrer die Gebäude nicht betreten
    -  Transport von Wasser
    -  Tierkörperentsorgung: Der Sammelwagen darf nicht auf das Betriebsgelände fahren, die Kadaver dürfen für Wildtiere nicht zugänglich sein, das Fahrzeug und spezielle Kleidung müssen bei der Rückkehr gewaschen und desinfiziert werden
    -  Gülletransport (Ausbringungsunternehmen): bei der Entleerung des Tanks ist auf allgemeine Hygiene zu achten
  • Einkaufen: Saatgut, tierärztliche Produkte, gängiges Material
  • Material gemeinsam mit anderen Betrieben: Betäubungsgerät für Kastrationen, Anbindesystem für das Klauenschneiden bei Sauen, Ultraschall- und Ultraschallgerät, usw.
  • Wetter: Der Wind kann Krankheitserreger über mehrere Kilometer transportieren (z. B. enzootische Pneumonie oder Grippe)

Interne Biosicherheitsmassnahmen:

Bei der internen Biosicherheit geht es darum zu verhindern, dass sich eine auf dem Betrieb bestehende Krankheit auf andere Bereiche des Betriebs ausbreitet. Zudem besteht das Ziel, den Infektionsdruck zu senken.

Alle Tiere müssen sich in gereinigten und desinfizierten Gängen bewegen.

Das Management von kranken Tieren (Reservoirs für Krankheitserreger) ist von grösster Bedeutung: Sie müssen von der Gruppe isoliert werden, damit ihre Krankheitserreger nicht auf den Rest der Gruppe übertragen werden. Eine frühzeitige und angemessene Behandlung des kranken Schweins reduziert das Keimwachstum und die Ansteckungsfähigkeit wir verringert. Zudem hilft eine Desinfektion von verschmutzten Transitbereichen nach jeder Bewegung eines kranken Tieres (bei Durchfall).

Besen, Hobel, Transferwagen, Stiefel, Hände, Spritzen-Nadeln oder Kastrationsklingen sind potenzielle Überträger von Krankheitserregern innerhalb eines Betriebs. Deshalb müssen die Gegenstände und Hände immer wieder gewaschen und desinfiziert werden. Insbesondere zwischen zwei Eingriffen,bei allem was mehrfach verwendet wird und bei der Entsorgung von allem was nur einmal verwendet wird.

Die Besuche und Eingriffe müssen in einer festgelegten Reihenfolge stattfinden:
Hygieneraum → Mutterschweine → Trächtige → Aufzucht → Mast

Es wird empfohlen, saubere Kleidung zu tragen, wenn man sich in sensiblen Bereichen aufhält (z.B. Pflege auf der Geburtsstation). Das Waschen der Stiefel und ein Stiefelbad zwischen jeder Tierkategorie (bzw. jedem Zimmer) hilft zusätzlich.

Tierwechsel sollten immer unter der Berücksichtigung des Verhaltens "alles rein - alles raus" erfolgen. Zudem unter der Einhaltung strenger Hygienevorschriften und der Anwendung eines vollständigen Reinigungs- (und Desinfektions-) Protokolls in den verschiedenen Räumen. Das Desinfektionsmittel sollte nach den zu neutralisierenden Krankheitserregern und den Umgebungstemperaturen ausgewählt werden.

Afrikanische Schweinepest:

Die Afrikanische Schweinepest ist eine Viruskrankheit (nicht auf den Menschen übertragbar), welche ausschliesslich Hausschweine und Wildschweine befällt. Die Sterblichkeitsrate infizierter Hausschweine liegt bei nahezu 100 %. Eine Impfung oder Behandlung ist nicht möglich. Die Übertragungsmodalitäten sind zahlreich, wie auf der nachfolgenden Grafik ersichtlich:

Ref: ifip.asso.fr/mesures-de-biosecurite-recommandees-pour-les-elevages-vis-a-vis-du-risque-de-fievre-porcine-africaine/

Empfohlene Biosicherheitsmassnahmen in Bezug auf dieses Risiko

Schützen Sie Ihre Tiere, indem Sie die nachfolgenden Regeln der Biosicherheit befolgen:

  • Melden Sie jeden Verdachtsfall (lebend oder tot) sofort
  • Halten Sie die Hygienemassnahmen in Ihrem Betrieb ein
  • Füttern Sie Ihre Schweine nicht mit Küchenabfällen
  • reinigen und desinfizieren Sie alle Materialien, die mit Aussenstehenden geteilt werden
  • Kontrollieren Sie den Besucherverkehr
  • Verhindern Sie den direkten oder indirekten Kontakt mit Wildschweinen durch 1,2 -1,5 m hohe Zäune:
  1. Ausläufe von Schweinen im Freien müssen eingezäunt sein, wobei der Abstand zwischen Zaun und Auslauf mindestens 1 m betragen muss
  2. Misthaufen, Futtersilos, Lagerplätze für Stroh und Heu müssen ebenfalls mit einem Abstand von einem Meter eingezäunt sein
  3. Laderampen dürfen für Wildschweine nicht zugänglich sein

Die optimale Lösung besteht darin, das gesamte Hofareal mit einem mindestens 1,2 -1,5 m hohen Metallgitter zu umzäunen, das unten engmaschig ist (damit die Marder nicht durchkommen) und mindestens 1 m von den zu schützenden Bereichen entfernt ist.

Wo steht die Schweiz international und was können wir optimieren?

Die Schweizer Produktion verfügt über einen ausgezeichneten Gesundheitsstatus. Es werden keine lebenden Schweine (mit Ausnahme einiger Tiere mit hohem genetischem Wert, die eine strenge und kontrollierte Quarantäne einhalten müssen) vom Ausland importiert. Die Ausrottung bestimmter ansteckender Krankheiten durch eine Flächensanierung (PE, APP, etc.), die Arbeit des BGS und die natürlichen Barrieren sind alles Trümpfe, die es der Schweiz ermöglichen, Schweine unter guten Gesundheitsbedingungen zu halten und somit kein oder wenig Antibiotika einzusetzen.

Bei der Biosicherheit gibt es jedoch noch Verbesserungspotenzial, sowohl intern als auch extern. Wir müssen besondere Anstrengungen unternehmen, um uns aktuell vor der Afrikanischen Schweinepest zu schützen, welche vor unserer Haustür steht: Es geht um den Fortbestand der Schweineproduktion in der Schweiz und wir alle sind dafür verantwortlich, dass die richtigen Massnahmen getroffen und eingehalten werden.

Bruno Louvel & Sylvie Annen, Technischer Dienst Schweine