Braunvieh-Perfektionist mit Blick über den Tellerrand

Betriebsmeisterschaft, Gotthard Open, Europa-Gruppenmeister – das sind nur drei wichtige Siege an Viehschauen, die der Menznauer Kurt Willmann vorweisen kann. Und wer die komplette  Liste der Erfolge aufsagen möchte, muss viel Zeit einplanen. Denn Willmann, der an Schauen mit seiner Marke WTS-Genetics teilnimmt, ist einer der erfolgreichsten Schweizer Braunviehzüchter der vergangenen Jahre. Bei seiner ersten Teilnahme an der Swiss Expo in Lausanne dieses Jahr wurde er gleich als bester Aussteller ausgezeichnet.

Das Erfolgsgeheimnis? „Es braucht vor allem Disziplin. Nach der Schau ist vor der Schau. Man muss das ganze Jahr über mit Genauigkeit arbeiten, die Tiere laufend beobachten, die Fütterung und die Bedingungen im Stall analysieren“, sagt der 39-Jährige.

Detailverliebt und wissbegierig
Willmann, das darf man sagen, ist ein Perfektionist, einer der auf Details achtet, beobachtet und immer dazulernen will. Einer, der über den Tellerrand, sprich: über den eigenen Betrieb hinaus blickt. Der Anspruch kommt auch im Namen seiner Marke zum Ausdruck: WTS – Willmann Top Swiss. Die Arbeitsweise hat er von anderen erfolgreichen Züchtern übernommen – ein weiterer Erfolgsfaktor. „Ich habe bestimmte Ziele und habe den Austausch mit Leuten gesucht, die ähnliches anstreben wie ich oder das schon erreicht haben. Denn es ist klar: Wer etwas erreichen will, ist auch bereit, sich sehr intensiv mit seiner Arbeit und seinem Thema auseinanderzusetzen.“ Er wolle sich immer mit denen messen, die besser als er selber sind. „Ich schaue, was sie anders, besser machen – frage mich, was ihr Weg ist. Das ist sehr lehrreich.“

1995 zog die Wissbegier den jungen Kurt Willmann sieben Monate nach Kanada, wo er als 19-Jähriger den Hof von Oscar Dupasquier zweimal besuchte. Der ausgewanderte Dupasquier hat die Schweizer Holsteinzucht massgeblich mitgeprägt – „ein ganz grosses Vorbild von mir“, sagt Willmann, der von der Betriebsführung nachhaltig beeindruckt war.

Netzwerk von Vertrauenspersonen
Nicht nur unter Züchtern, sondern auch im Genetik- und Fütterungsbereich hat sich der Luzerner ein Netzwerk von Vertrauenspersonen aufgebaut, mit denen er sich regelmässig berät. Apropos Tierernährung: Mit unserem Unternehmen arbeitet Willmann seit 2012 zusammen. Eine Verbindung, die der Landwirt positiv sieht: „Die Zusammenarbeit mit meinem Ansprechpartner Alfred Hüsler ist sehr gut. Er ist stets ansprechbar und setzt sich sehr ein.“ Willmann setzt in der  Start- und Hochleistungsphase der Laktation auf VivOméga. „Die Ergebnisse überzeugen. Die Verdauung funktioniert sehr gut und die Leinsaat fördert die Durchblutung, wodurch das Tier ein schönes Fell und eine schöne Ausstrahlung erhält. Und auch der Leistungsbereich stimmt.“

„Mit 25 einen eigenen Hof – oder ich werde Lehrer“
Weshalb er sich ausgerechnet für die Braunviehzucht entschieden hat? „Als Kind hat man Vorbilder, denen man nacheifert. Bei mir waren es Braunviehzüchter und ich wollte das unbedingt auch machen. Schon als Fünfjähriger. Es hat mich einfach so sehr fasziniert, zu sehen, was man mit diesen Tieren machen kann und was sie leisten können. Die Begeisterung blieb und ich entschloss, daran zu arbeiten, bis ich mein Ziel erreiche.“ Die Arbeit mit Braunvieh ist für Willmann denn auch mehr als eine normale Arbeit. Er möchte beitragen, die Rasse weiterzuentwickeln.

Nach der Ausbildung zum Meisterlandwirt folgte eine kaufmännische Lehre. Und er setzte sich ein ehrgeiziges Ziel: „Ich sagte mir: Wenn ich bis 25 keinen eigenen Hof habe, werde ich Lehrer im landwirtschaftlichen Bereich.“ Vollzug konnte er im Jahr 2000 vermelden, als er den Hof in Menznau erwarb – gerade mal 24-jährig.

Dass es mit dem Ziel geklappt hat, freut heute übrigens auch zahlreiche Produzenten im In- und Ausland. Denn Embryonen aus der WTS-Genetics-Zucht sind begehrt: Sie werden nicht nur in die Nachbarländer verkauft, sondern sogar bis nach Australien, Kanada oder in die USA.

Schwerpunkt auf Braunvieh
Kurt Willmann führt seinen Betrieb auf dem Menznauer Rötelberg seit 2000. Der Fokus liegt auf der Braunviehzucht und Milchwirtschaft. Er hält 58 Kühe im Anbindestall, für Jungvieh – derzeit 85 Tiere, darunter 30 in Vertragsaufzucht – wurde 2006 ein Laufstall mit Liegeboxen gebaut. Kälber sind in einem separaten Stall in Einzelboxen untergebracht. Weiter gehören zum Betrieb eine IP-Suisse-Mastschweinhaltung sowie 40 Hektaren bewirtschaftete Fläche, darunter 5 ha Wald und 9.5 ha Mais. Für den kommenden Frühling ist der Bau eines neuen Wohnhauses und einer neuen Maschinenhalle mit zwei angegliederten Wohnungen für Angestellte geplant.

 

Helge Landberg, Redaktor